Soziale Medien in Zeiten von Corona – Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt

Auch im Gesundheitswesen die Akzeptanz von sozialen Medien zugenommen. 96% der medizinischen Institutionen (gegenüber 80% im Jahr 2015) zeigen zumindest ein aktives Facebook-Konto. Nur wenige planen aktiv strategische Kampagnen rund um soziale Aktivitäten in der Coronakrise. In der aktuellen Situation ist für Gesundheitsdienstleister ein Engagement in den Social Media wichtiger denn je. Bei den Deutschen macht sich derzeit zunehmend Optimismus breit, dies ist wesentlich auf die bisherigen Maßnahmen un die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems zurückzuführen.

Dennoch ist bekannt, dass irreführende, nicht auf Fakten basierende Gesundheitsinformationen in sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit erreichen und Reaktionen, bzw. Kommentare auslösen als seriöse Nachrichten. Der Begriff Post-truth („Post-Wahrheitspolitik“) wurde 2016 vom Oxford Dictionary zum Wort des Jahres gewählt und dort definiert als „Bezeichnung von Umständen, unter denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die Gestaltung der öffentlichen Meinung haben als Appelle an Emotionen und persönlichen Glauben.“

 „Ich bin einfach stark der Meinung, dass Facebook nicht der Schiedsrichter der Wahrheit sein sollte über alles, was Menschen online sagen.“

 Mark Zuckerberg

Wer aber soll unparteiisch aufzeigen, wenn Informationen umstritten sind, „damit die Menschen für sich selbst urteilen können“ (Jack Dorsey). Richten bedeutet in erster Linie es „recht zu machen“. Die Plattformen sind damit überfordert. Dies bedeutet, dass in Social Media eine wachsende Chance für Anbieter im Gesundheitswesen besteht. Ihre Aufgabe ist es Orientierung im Dschungel der Fehlinformationen zu bieten. Nun zeigt sich bei Medizinern ob sie erkennen, wie bedeutsam soziale Medien sind und in welcher Form sie sich in die aktuelle Diskussion um Transparenz in Gesundheitsfragen einbringen können.

Es muss jedoch mit Bedacht gemacht werden. Welchen Einfluss hat die aktuelle Pandemie auf die visuellen Trends und Kommunikation von Marken und Unternehmen? Wie kann eine Bildsprache formuliert werden, die auf diese Entwicklungen Rücksicht nimmt?  Wie nimmt man Sorgen und fördert das Prinzip Hoffnung ohne unrealistische Versprechungen?

Hier sind einige Tipps, die Sie heute in Ihrer Social-Media-Strategie umsetzen können:

1. Achten Sie auf die strikte Einhaltung der DSGVO auch auf Informationsplattformen (Datenschutzgesetz).

Geben Sie über soziale Medien keine Informationen über PatientInnen oder Verhaltensweisen, die PatientInnen identifizieren könnten weiter, auch nicht wenn Sie damit den Wahrheitsgehalt Ihrer Aussagen belegen könnten.

2. Geben Sie Ihrer Institution eine hörbare Stimme.

Nutzen Sie soziale Medien als eine Möglichkeit, mit Ihren PatientInnen zu interagieren und in Kontakt zu treten. Als Zeichen Ihrer Persönlichkeit verwenden Sie eine Sprache, die einerseits ernsthaft und andererseits leicht verständlich ist. Zeigen Sie die Gesichter der Personen hinter Ihrer Organisation und reagieren Sie auf alle Bewertungen und Anfragen. Geben Sie keine negativen Antworten.

3. Wirken Sie Fehlinformationen entgegen.

Im Internet gibt es eine Menge Fehlinformationen über das angemessene Verhalten zur Vorbeugung einer Infektionsübertragung. Das freie Informationszeitalter hat zu ernsthaften Problemen mit irreführenden Darstellungen im Gesundheitsfragen geführt, die über die Maßen schädlich sein können. Denken Sie darüber nach, wie Sie dagegen vorgehen und soziale Medien nutzen, um die Kenntnisse von PatientInnen und der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen.

4. Klären Sie Ihr Publikum auf.

Verzichten Sie derzeit auf Beiträge zur Selbstdarstellung. Konzentrieren Sie sich auf Möglichkeiten, die Ihren PatientInnen konkrete Hilfestellung und positive Aussichten anbieten. Soziale Medien sind eine ausgezeichnete Möglichkeit, Einzelpersonen über widersprüchliche Gesundheitsinformationen aufzuklären, riskantes Verhalten zu erkennen und Gesundheitsrisiken bewusst zu machen ohne Ängste zu schüren. 

Keypoints:

  • Nutzen Sie jede Gelegenheit, sich für soziale Belange zu engagieren.
  • Teilen Sie Ihre Ressourcen und bieten Sie Unterstützung in kritischen Situationen.
  • Fördern Sie das allgemeine Bewusstseins für Gesundheitsthemen und -fragen.
  • Und vor allem geben Sie Ihrem Publikum positive Inhalte, die es anderswo nicht vergleichbar vertrauenswürdig bekommen kann.

Professionalität und Kompetenz erfordert gleichzeitig engagiert und zugänglich zu sein. Über das Internet und die sozialen Medien können Sie unter den gegebenen Bedingungen Ihren PatientInnen mehr denn je dabei helfen, die eigenen Entscheidungen, in Gesundheitsfragen zu treffen ohne belehrend zu wirken. Indem Sie Ihre Praxis/MVZ zu einer reichhaltigen Quelle wertiger Informationen machen, erhalten Sie Vertrauen, was eine erstklassige Positionierung bedeutet, sobald es an der Zeit ist, einen Gesundheitsdienstleister zu finden.

Aktuelle Anpassung der Inhalte an Coronazeiten eines Artikels von Mandy King im Hubspot Blog

Bild Rami Al-zayat

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Portraitfoto von Prof. Dr. med. H.-Peter Scheidel
Über Peter Scheidel

Prof. Dr. med. Peter Scheidel war von 1989 bis 2008 Chefarzt der Frauenklinik im Marienkrankenhaus Hamburg und von 2009 bis 2017 Leitender Arzt im  Mammazentrum Hamburg – 2017 ausgezeichnet mit dem German Brand Award.
Seit 2018 bietet er verhaltenes Mittun beim erfolgreichen und verantworteten unternehmerischen Handeln im Bereich der Gesundheitswirschaft